Sokrates- ein Joker aus Athen
Im Jahre 399 v. Chr. wurde Sokrates angeklagt, »die Jugend zu verderben« und »die
Götter nicht anzuerkennen«. Mit knapper Mehrheit wurde er von einer Jury mit
fünfzig Mitgliedern für schuldig befunden.
Nun hätte er sicher um Gnade bitten können. Er hätte auf jeden Fall sein Leben
retten können, wenn er bereit gewesen wäre, Athen zu verlassen. Aber wenn er das
getan hätte, dann wäre er nicht Sokrates gewesen. Der Punkt ist, dass er an die
Prinzipien des Staates Athen glaubte, und die waren demokratisch. Mehrheitlich
Verurteilt ist nun einmal das Rechtsprinzip und daran muss man sich halten. Kurze
Zeit später leerte er in Anwesenheit seiner engsten Freunde einen Becher mit Gift,
den Schierlingsbecher.
An Sokrates’ letztem Tag versammelten sich die Freunde, unter denen Platon
krankheitshalber fehlte, im Gefängnis. Dort trafen sie Xanthippe, die Frau des
Sokrates, mit den drei Söhnen an. Zwei der Söhne waren noch im Kindesalter, somit
muss Xanthippe weit jünger gewesen sein als ihr Mann. Sokrates ließ die laut
wehklagende Xanthippe wegführen, um sich im Gespräch mit den Freunden auf den
Tod vorzubereiten.